Inklusionskonzept der Mittelschule Baumgarten

 

Die Mittelschule Baumgarten heißt alle Schülerinnen und Schüler willkommen!

 

An der Mittelschule Baumgarten werden fünf Integrationsklassen nach den Grundsätzen der Inklusion geführt (2-Lehrer-System, 4-Lehrer-System). Ziel ist es, Unterrichtsvoraussetzungen herzustellen, die alle Schülerinnen und Schüler mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf in den gemeinsamen Unterricht einschließen und gleichberechtigt daran teilhaben lassen. Begabte Schülerinnen und Schüler arbeiten gemeinsam mit leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern und alle profitieren davon, nicht zuletzt deshalb, weil allen Kindern und Jugendlichen die gleiche Wertschätzung entgegengebracht wird und die bestmögliche Förderung jedes einzelnen Kindes und Jugendlichen im Fokus inklusiver Unterrichtspraxis steht.

Praktische Umsetzung inklusiver Grundsätze

 

Folgende Grundsätze der inklusiven Pädagogik werden in den Inklusionsklassen der Mittelschule Baumgarten umgesetzt.

 

1. Differenzierung und Individualisierung

Binnendifferenzierte Unterrichtsgestaltung und Individualisierung sind notwendig und effizient, um Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen innerhalb einer Klasse gerecht zu werden. Differenzierender und individualisierender Unterricht bezieht Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf gleichberechtigt ins Unterrichtsgeschehen ein. Differenzierung und Individualisierung sind zentrale Elemente eines begabungsfördernden und inklusiven Unterrichts. Der Unterricht wird so geplant, dass ein gemeinsamer, verbindlicher Basisstoff von allen erreicht werden kann und ein vielfältiges Zusatz- und Förderangebot individuell bestmögliche Lern- und Leistungswege bietet. Aufgaben werden so gestellt, dass alle Schülerinnen und Schüler zu konstruktiven Lösungen und zu individuell guten Leistungen entsprechend ihren Begabungsprofilen gelangen (vgl. Büeler/Buholzer/Roos, 2005, S. 202f).

 

2. Offene Unterrichtformen und Methodenvielfalt

Die Vielfalt an Persönlichkeits- und Begabungsspektren aber auch die unterschiedlichen individuellen Lernziele erfordern verschiedene Unterrichtsmethoden. Mit offene Unterrichtsformen, Methodenvielfalt und komplexen Aufgabenstellungen werden Schülerinnen und Schüler motiviert ihre Lernpotentiale optimal auszuschöpfen. Offene Lernformen sollen unterschiedliche Lernwege und Aneignungsformen ermöglichen. Die Hälfte der Unterrichtszeit in Deutsch, Mathematik und Englisch arbeiten die Schülerinnen und Schüler anhand individueller Wochenpläne. Fächer wie Biologie, Geografie, Geschichte und Physik werden vorwiegend in Form von fächerübergreifender Projektarbeit unterrichtet. Partner- und Gruppenarbeit bestimmen den täglichen Unterrichtsablauf.

Lernbegleitung durch Mitschülerinnen und Mitschüler und kooperatives Lernen wirkt sich sowohl auf den kognitiven als auch auf den sozialen und emotionalen Bereich des Lernens und der Entwicklung der Lernenden positiv aus. Es profitieren alle Schülerinnen und Schüler vom gemeinsamen Lernen (vgl. European Agency for Development in Special Needs Education 2005, S. 22).

 

3.Stammklassen

Die Schülerinnen und Schüler bleiben in ihrem eigenen Klassenbereich. Gerade bei Lernenden mit sonderpädagogischen Förderbedarf kommt dies dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit entgegen. Stammklassen schaffen ein konstantes Umfeld und betonen das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Klasse. Das tägliche gemeinsame Leben und Lernen ermöglicht Barrieren abzubauen und Beziehungen, die die Sozialkompetenz der Kinder stärken, aufzubauen (vgl. European Agency for Development in Special Needs Education 2005, S. 7f).

4.Teamteaching

Ein kleines überschaubares Team von zwei bis vier Lehrkräften ist für alle Schülerinnen und Schüler zuständig und verantwortlich. Das Team deckt gemeinsam mehr als 80% aller Unterrichtsstunden ab. In den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch wird das Team zusätzlich von einer dritten Lehrperson unterstützt. Alle Unterrichtsfächer werden im Teamteachingmodell unterrichtet. Die intensive Zusammenarbeit der Teamkolleginnen und –kollegen und die Kooperation mit externen Fachleuten tragen wesentlich zur gelingenden inklusiven Unterrichtspraxis bei. Die Teamarbeit und der entsprechende Erfahrungsaustausch werden von allen Kolleginnen und Kollegen als immense Bereicherung empfunden.

 

5. Beziehungssysteme

Die Unterrichtsatmosphäre in den Inklusionsklassen ist gekennzeichnet durch gegenseitigen Respekt, verlässlich eingehaltene Regeln, Verantwortungsübernahme, Gerechtigkeit und Fürsorge. Der Lehr-Lernprozess erfolgt im Dialog zwischen Schülerinnen und Schülern und Lehrerinnen und Lehrern (vgl. Meyer, 2010, S. 17f). Inklusiver Unterricht heißt in erster Linie Beziehungsarbeit und basiert auf einer wertschätzenden Grundhaltung, mit der Pädagoginnen und Pädagogen den Lernenden gegenübertreten. Oberstes Ziel muss es sein, allen Schülerinnen und Schülern bedingungslos optimistisch und bedingungslos respektvoll zu begegnen (vgl. Korczak, 2002, S.7). Mit der Entwicklung eines Unterstützungs- und Beziehungssystems werden die Grundprinzipien einer inklusiven Pädagogik an der Mittelschule Baumgarten realisiert. In der Mittelschule Baumgarten stehen folgende Systeme der schulischen Begleitung zur Verfügung:

Ein breit angelegtes Netz an Begleitmaßnahmen unterstützt die einzelne Schülerin/den einzelnen Schüler in ihrem/seinem Entwicklungsprozess sowohl auf der kognitiven, der sozialen als auch auf der emotionalen Ebene. Wie die Grafik unten zeigt, wird in der Mittelschule Baumgarten die Person der Schülerin/des Schülers in ihrer/seiner wechselseitigen Beziehung mit Klassenlehrerteam, Fachlehrerin/Fachlehrer, Schulsozialarbeiterin, Active help und Eltern in den Mittelpunkt gestellt. Die intensive Zusammenarbeit aller Teamkolleginnen und -kollegen, der Schulleitung und der Elternschaft sowie die positive Einstellung aller Beteiligten zur Inklusion tragen wesentlich zum Gelingen des schulinternen Inklusionskonzeptes bei und bestärken uns, diesen Weg weiterzugehen.

 

Dir. Ulrike Mersnik und das Inklusionsteam der Mittelschule Baumgarten

 

“Inclusion has to be seen as a never-ending search to find better ways of responding to diversity. It is about learning how to live with difference and learning how to learn from difference.” (UNESCO, 2005, S. 15)

 

 

Literatur

Büeler, X., Buholzer, A., Roos, M.(Hrsg.) (2005). Schulen mit Profil. Forschungsergebnisse, Brennpunkte, Zukunftsperspektiven. Innsbruck: Studienverlag.

European Agency for Development in Special Needs Education/Meijer C.J.W. (Hrsg.) (2005). Inclusive Education and Classroom Practice (Integration und inklusive Unterrichtspraxis im Sekundarbereich). Middelfart, Dänemark: European Agency for Development in Special Needs Education).

Korczak, J. (2002). Das Recht des Kindes auf Achtung. Gütersloh: Gütersloher Verlag.

Meyer, H. (2010). Was ist guter Unterricht? Berlin: Cornelsen Scriptor.

UNESCO, Ministry of Education and Science (2005). Guidelines for Inclusion: Ensuring Access to Education for All. Paris: UNESCO.

 

Folder im Netz:

 

http://www.vobs.at/fileadmin/user_upload/aktuell/Werbung/Folder_Vorarlberger_Mittelschule.pdf